Yoga

Herkunft und Bedeutung
Jede Verwirklichungsstufe der Yogapraxis hat ihren eigenen Platz und lautet:
Der Weg ist das Ziel
  
und nicht: Das Ziel ist das Ziel
Das Wort „Yoga“ kommt aus dem Sanskrit, also aus der urindischen Sprache. Noch heute gibt 
es die Wortverwandtschaft mit Joch in vielen europäischen Sprachen. Im Lateinischen heißt
Joch soviel wie Religion, also das Rückverbindende zwischen Geist und Körper, zwischen
Schöpfer und Geschöpf. Jeder kann Yoga lernen. Yoga ist unabhängig von Konfession oder
Alter.
Wie kam Yoga in den Westen?
In erster Linie ist dies Swami Vivekananda zu verdanken (1862-1902). Er war ein Schüler des
berühmten Heiligen Ramakrsna. Vivekananda vertrat den Hinduismus als Botschafter bei dem
Weltparlament der Religionen 1893 in Chicago. Vivekanandas Verdienst war eine neue
Interpretation der traditionellen Yoga-Wege und damit schuf er einen Zugang für uns
Europäer.
Große Persönlichkeiten sind: Sri Aurobindo, Paramahamsa Yogananda, Syami Sivananda,
Selvarjan Yesudian.
Hatha-Yoga
Im Hatha-Yoga verstehen wir unter „Körper“ auch feinstoffliche Ebenen. Dazu gehören die
Nadis (ca. 72.000), das sind feinstoffliche Kanälchen, ähnlich dem Nervensystem im physischen
Körper, die den Astralkörper durchziehen. Durch die Nadis fließt das Prana. Asanas und
Pranayama reinigen die Nadis. Sind diese blockiert, kann Prana nicht ungehindert fließen.
Die drei wichtigsten Energiekanäle sind:
- Ida (links der Wirbelsäule, entspricht dem Mond, also der weiblichen Energie)
- Pingala (rechts der Wirbelsäule, entspricht der Sonne, also der männlichen Energie)
- Susumna (Das Zentrum der Wirbelsäule) Sushumna beginnt erst zu fließen, wenn die beiden
Nadis, Ida und Pingala,  gereinigt und im Gleichgewicht sind.
Ida und Pingala sind Ausdruck der beiden polaren Gegensätze der Lebenskraft, wie sie sich 
in uns bewegen. Diese Kraftströme wirken wechselweise und der jeweils dominierende Strom
kann dadurch bestimmt werden, dass man den Atemfluss in den Nasenlöchern beobachtet.
Wenn der Fluss gleichmäßig ist, regiert Sushumna. Wenn der Fluss im rechten Nasenloch
dominiert, dann ist das ein Zeichen, dass die Vitalenergie in Aktivität ist. Das heißt, man ist
bereit für körperliche Aktivität, im äußeren wie auch im inneren (in den inneren Organen).
Wenn der Atemfluss im linken Nasenloch dominiert, ist man bereit für Gedankenarbeit wie
Nachdenken, Lesen, Konzentration etc. Der Fluss der Nadis verändert sich ungefähr jede
Stunde. In etwa entsprechen die Nadis dem Sympathikus und dem Parasympathikus.
Hiervon leitet sich auch der Begriff „Ha-tha“-Yoga ab: 
- Ha für Sonne (männlich)
- Tha für Mond (weiblich)

Yoga und Buddhismus
Historische Wurzeln
Die Wurzeln vom Buddhismus liegen im Yoga. Der Buddhismus ist seit 1500 v.Chr., Yoga etwa
3000 v.Chr., hervorgehend aus den Veden, bekannt.
Yoga ist jedoch keine Religion und deshalb kann Yoga von jedem praktiziert werden.
Unabhängig von Alter, Glauben, Nation, Gesundheitszustand oder Religion bewirkt Yoga
folgendes:
- Mehr Lebensfreude, Schönheit
- Harmonisierung, Ausgeglichenheit
- Zentriertheit, Anmut, Gelassenheit
- Lehrt Disziplin, stärkt die Willenskraft
- Verbesserung des Gesundheitszustandes
- Talententdeckung und -entfaltung
- Verjüngung und Belebung
- Energiesteigerung
- Erweckung der inneren Kraft
- Aktivierung und Stärkung des inneren Lächelns
- Vertiefung der Bewusstheit
- Stabilisierung des inneren Gleichgewichts
    
Ziel des Buddhismus
Ziel des Buddhismus ist das Erlangen der Buddhaschaft. Damit ist einerseits die innere
Loslösung von Leid und Problemen und andererseits das Entfalten der dem Geist
innewohnenden Fähigkeiten und Qualitäten gemeint.
Um dieses Ziel erreichen zu können, bedarf es zunächst einer Auseinandersetzung mit
uns selbst.
Diesem Zweck galten die ersten Lehren Buddhas, die „Wahrheit des Leidens“ und die
„Wahrheit der Ursache des Leidens“. In einer Art Bestandsanalyse unserer Welt zeigte er,
dass die Ursache für das Leid in unserem Unverständnis der Wirklichkeit liegt.
Buddha machte deutlich, dass ein falsches Verständnis der eigenen Person und der uns
umgebenden Welt, zu inneren Störungen führt, die ständig Anlass zu Leid bringendem
Empfinden und Verhaltensweisen sind. Die negativen Handlungen und die Eindrücke, die sie
im Geist hinterlassen, ziehen ihrerseits erneut Leid und Probleme nach sich.
 
Karma
Beide Lehren vermitteln diese Gesetzmäßigkeit, die jeder Handlung zu eigen ist, und
bezeichnen sie mit dem Sanskritwort „Karma“. Karma bedeutet, dass auf jede Handlung eine
Wirkung folgt, die der Natur der Handlung entspricht. So haben positive Handlungen Freude
und Glück, negative Handlungen hingegen Leid und Probleme zur Folge. Karma bedeutet also
nicht, einem vorbestimmten Schicksal ausgeliefert zu sein; vielmehr sind wir selbst diejenigen,
die bestimmen wie es uns geht, denn mit unserer Einstellung und jeder einzelnen Handlung 
beeinflussen wir unser Karma, schaffen neues Karma und gestalten somit ständig die Qualität
unseres Lebens.
 
Der richtige Weg
Dieser Weg besteht darin, durch Meditation, Achtsamkeit und richtiges Verhalten den eigenen
Geist „in den Griff zu bekommen“ , ihn zu „zähmen“. Mit Hilfe von Meditation und bewusst
positivem Verhalten vertiefen wir einerseits Liebe und Mitgefühl für alle Lebewesen und
andererseits die Einsicht in die Natur der Dinge. Dies führt allmählich zum Abschwächen der
Ich-Zentriertheit, zum tieferen Erkennen der Wirklichkeit und letztendlich zur Buddhaschaft
oder zum „achtgliedrigen Pfad nach Patanjali“ im Yoga.
    
Alle Weisheitslehren vermitteln Wege und Grundgedanken, um in die eigene Mitte „zum
wahren Ich“, um in die Selbstfindung zu gelangen.
Meditation und Achtsamkeit sind eine Art Geistestraining, das uns zu einem gesunden, klaren
und frohen Geist und zur Erkenntnis seiner unbegrenzten Natur verhilft. Wir werden fähig,
uns selbst, unsere Mitmenschen und unsere Umwelt einer tieferen Wirklichkeit entsprechend
zu sehen und uns von den verschiedenen Vorstellungen, Interpretationen, Wünschen und
Ängsten, die eine solche direkte Wahrnehmung unmöglich machen, zu lösen.
     
Positives Verhalten, d.h. Handlungen, die mit der Motivation, anderen und uns selbst Gutes zu
tun, gesetzt werden, unterstützen dabei unsere geistige Entwicklung; sie schaffen ein
harmonisches Leben und die Grundlage für die innere Stärke, die für die Praxis der Meditation
wichtig ist.
Die vier edlen Wahrheiten
1.Das Entfalten der inneren Fähigkeiten
2.Das Entwickeln von Liebe und Mitgefühl
3.Das Erlangen von Geistesruhe und Erkenntnis
4.Selbstverwirklichung (das volle Erreichen des innewohnenden Potentials)
 
Das Erkennen unserer inneren Zusammenhänge geht mit dem Verständnis einher, dass man 
selbst über das Potential der Buddhaschaft und der Selbstverwirklichung verfügt.
In der „Wahrheit des Aufhörens des Leidens“ und dem „Weg der Wahrheit“ liegt die
Bereitschaft zur Eigenverantwortung und die Bereitschaft seine eigenen Schwächen in
Stärken zu verwandeln und dadurch zum Ziel durch den „Weg des Herzens“ in die Freude
zu gelangen.
 
Yoga als geistige Haltung
Yoga ist außer den verschiedenen Yogaübungen (Asanas) eine geistige Haltung und
Sichtweise und wird nicht nur stundenweise praktiziert, sondern gelebt.
Die Anlagen eines jeden Individuums sollen erkannt und zur Entfaltung gebracht werden.
Yoga ist auf den Einzelnen bezogen, niemals in Konkurrenz zu anderen. Sri Aurobindo
(1872-1950), einer der wichtigsten Yogalehrer unserer Zeit, sieht den Menschen als
„Überbrücker“. Eine Brücke verbindet zwei Uferseiten, oder allgemeiner formuliert: es
werden gegensätzliche Zustände miteinander verbunden. Entwicklung kann nur stattfinden,
so Aurobindo, wenn keine Seite verleugnet oder unterdrückt wird.
    
Ein Hauptziel der Yogaübungen ist es, Klarheit über die verwirrende Tätigkeit unseres
Denkorgans zu gewinnen, damit unsere Gedanken zur Ruhe kommen und die innere
Wahrheit wahrzunehmen ist. Durch die ständige Informationsaufnahme unserer Sinnesorgane,
wie zum Beispiel Gerüche, Träume, Bilder, ist unser Denkorgan unablässig beschäftigt und es
entstehen Begierden oder Wünsche. Beabsichtigt ist keine Askese oder eine Unterdrückung
der Begierden, sondern diese Abläufe sollen bewusst wahrgenommen werden.
 
Was bewirken Yogaübungen?
Menschen jeder Altersstufe können mit Yoga beginnen und bemerkenswerte Erfolge erzielen.
Man nimmt Yoga nicht „in Angriff“ , man „nimmt es in sich auf“. Einige Beispiele dazu:
- Bei Müdigkeit und Depression wirken spezielle Atemübungen (Pranayamas), wie zum Beispiel
die ausgleichende Nasenwechselatmung.
- Bei Übergewicht ist die „Kerze“ hilfreich und um mehr Leistungsfähigkeit des Körpers zu
erreichen, ist das „Sonnengebet“ sehr gut geeignet.
 
Was sind Atemübungen (Pranayamas)?
„Prana“ heißt Atem, Lebenskraft und „ayama“ heißt Pause oder Kontrolle. Die Yogis erfahren
eine uns umgebende, unsichtbare kosmische Kraft, eine geheimnisvolle Essenz und universale
Energie, die uns Leben spendet. Ohne Prana gibt es kein Leben. Je mehr man davon besitzt,
desto vitaler und energievoller wird man. Durch die richtige Atemtechnik kann man sein
„Energiepotenzial“ vergrößern, wird wacher und selbstbewusster.
 
Verschiedene Yogawege
Die Existenz der vielen verschiedenen Yogawege ist in der unterschiedlichen Veranlagung
der Menschen begründet.
- Inana-Yoga - das Yoga der reinen Erkenntnis - für Verstandesbetonte
- Bhakti-Yoga - das Yoga der Hingebung - für Gefühlsbetonte
- Karma-Yoga - das Yoga des rechten Handelns - für Tatkräftige
- Raja-Yoga - das königliche Yoga - für Willenskräftige
- Hatha-Yoga - für  Bewegungsbetonte
- Tantra-Yoga - das Götterpaar Shiva und Shakti verkörpert die rituelle Vereinigung von Mann
und Frau für rituell körperbetonte
- Kundalini-Yoga - Vereinigung von Materie und Geist - für philosophisch Betont
- Raja-Yoga- Im Wesentlichen wurde der Raja-Yogaweg von Patanjali in der Beschreibung 
seines achtstufigen Yogapfads dargestellt. Körper-, Atem-, Konzentrations- und
Meditationsübungen sind hier lediglich Mittel, um das Denken zu konzentrieren und zwar
nicht auf äußere Objekte, sondern auf das Denken selbst. Auf diese Weise enthüllen sich dem
Yogi die tiefsten Geheimnisse; die Fragen nach dem Warum und Woher beantworten sich
selbst.
 
Der achtstufige Yogaweg
1.Die erste Stufe „Yama"
– Allgemeine Verhaltensregeln im Umgang mit anderen und zwar Gewaltlosigkeit (ahimsa), 
Wahrhaftigkeit (satya), Nicht-Stehlen (asteya) und Enthaltung von Sinnlichkeit (brahmacarya)
nicht im Sinne der Askese bedeutet: kein ausschweifender sondern maßvoller Lebenswandel
   
2.Die zweite Stufe „Niyama“
– Empfehlungen wie Reinheit, Zufriedenheit, der Wunsch, sein Ziel zu erreichen, das 
Selbststudium und die Hingabe an das Höchste.
   
3.Die dritte Stufe „Asanas“
– spezielle Körperübungen um Körper und Geist zu reinigen
   
4.Die vierte Stufe „Pranayama“
– die Kontrolle des Atems, Reinigung des Körpers und der Psyche, Atemübungen lassen
die Verbindung mit einer höheren Ordnung erleben
   
5.Die fünfte Stufe „Pratyahara“
– das Zurückziehen der Sinne um in eine tiefere Konzentration und Versenkung zu gelangen
   
6.Die sechste „Dharana“
– Konzentration oder Kontemplation um die geistigen Kräfte zu bündeln (konzentrierte
Geisteskräfte), vollständige Entfaltung des menschlichen Potentials
   
7.Die siebte Stufe „Dhyana“
– Meditation, das Erleben, in seiner eigenen Mitte zu ruhen, führt zur Selbstfindung
  
8.Die achte Stufe „Samadhi“
– das Erleben der Einheit
 
 
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