Die Schwitzhütte

Das Schwitzhüttenritual kommt aus der indianischen Tradition und gehört zu den sieben 
heiligen Riten.
In erster Linie diente sie der Reinigung. Sie war ein vorbereitendes Ritual für eine noch
größere Zeremonie, wie etwa den Sonnentanz oder die Visionssuche. Denn nur wer völlig rein
an Körper und Seele war, konnte mit den Kräften des Universums in Kontakt treten.
Im Laufe der letzten Jahrzehnte wurde das Schwitzritual selbst zu einer Zeremonie. Frauen 
oder Männer kommen zusammen, schwitzen und beten.

Ein Schwitzhütten-Ritual bringt Körper und Geist in Einklang mit dem Kosmos. Der Mensch
kommt in unmittelbaren Kontakt mit den fünf Elementen (Stein, Feuer, Wasser, Erde und Luft).
Kranke erflehen von Wakan Tanka in der Schwitzhütte Heilung, Trost, Erkenntnis und Visionen.
Die Schwitzhütte ist eine kleine Kuppel, zusammengebunden aus 16 Weidenstämmen. Die 
Lakota machen dadurch die Hütte zum Spiegelbild des Universums. Im Durchschnitt ist eine
Hütte ca. 1,20 Meter hoch und zwischen 2,50 und 3 Metern breit.
Früher wurde das Weidengeflecht mit Bisonfellen abgedeckt, heute verwendet man Decken,
Laken oder festes Segeltuch.

Der Eingang der Schwitzhütte liegt an der Ostseite. Wer die Hütte betritt, krabbelt auf allen
Vieren in Richtung Westen.
In der Mitte der Hütte ist eine kleine Grube, Iniowaspe genannt, ausgegraben, in die die
glühendheißen Steine hineingelegt werden. Dies stellt das Zentrum des Universums dar, in
dem Tunkashila selbst wohnt.
Zehn Schritte außerhalb der Türe befindet sich die heilige Feuerstelle, genannt „Feuer ohne 
Ende“. Sie ist der Sonne geweiht und repräsentiert die große Kraft des Geistes, die Wachstum
verursacht und allen Dingen Erleuchtung durch die Sonne bringt.
Der schmale Weg von der Hütte zur Feuerstelle ist der Pfad Großmutters und darf von den 
Zeremonien-Teilnehmern nicht betreten werden. Nur die Feuerleute, die die glühenden Steine
in die Hütte bringen dürfen den Weg begehen.
   
Das heiße Schwitzbad symbolisiert den Tod und die Wiedergeburt jedes einzelnen Teilnehmers.
Die Steine für ein Schwitzhüttenritual werden auf dem Feld gesammelt. Sie sollten eine gewisse 
Größe haben, zwei, drei oder mehr Kilogramm schwer sein. Faustgröße Steine zerspringen oft
im Feuer in tausend Stücke, sie sind dann für das Aufgießen ungeeignet.
Für das Entzünden des Feuers sollte man bereits abgestorbene Bäume verwenden oder Holz 
von bereits gefällten Bäumen. Für jeden Baum der im heiligen Feuer sein Leben gibt, sollte ein
kurzes Dankgebet gesprochen werden.

Die ersten vier großen Holzscheite werden so platziert, dass sie von Osten nach Westen
verlaufen. Die vier Äste darüber zeigen von Norden nach Süden. Und so weiter.
Die Steine werden in eine Pyramide aufgestapelt. Um sie herum kommt ein Kegel aus weiteren
Ästen.

Bevor wir das Feuer anzünden, segnen wir den Scheiterhaufen mit vier Prisen Tabak und
einem gesungenen Gebet. Das Schwitzhütten-Ritual der Lakota ist einfach und ohne Schnörkel.
Hier wird nicht gesprungen und getanzt und gebrüllt wie bei den Schwitzhütten-Zeremonien,
die in Deutschland gerne abgehalten werden.
Die Schwitzhütte ist ein Ort der Besinnung, an dem man in tiefer Demut seine Gebete spricht,
egal ob vor, während oder nach der Zeremonie.
Natürlich darf auch gelacht werden, alles ist erlaubt, wenn es in der Balance des Universums 
liegt.
Aber die Schwitzhütte ist kein Ort für selbsternannte Gurus, die ihre Schüler wild schreiend
und gestikulierend um das Feuer tanzen lassen.
Ich habe schon Zeremonien gesehen, bei denen sich die Teilnehmer ihre Gesichter mit Ruß
schwärzten und ihren Körper wild bemalten.
Dann heulen sie wie die Wölfe den Mond an und schlagen wie wahnsinnig auf ihre Trommeln
ein. Dabei stampfen sie mit ihren Füßen auch noch den Boden platt. Das einzige, was sie
damit erreichten, war, dass sie alle Geister und Energien vertrieben.
Großvater rät von solchen Schwitzhütten-Ritualen ab. „Ich habe nichts dagegen, wenn der
weiße Mann sich in der Schwitzhütte dem Großen Geist nähert. Wer andächtig schwitzt und
betet, dem lehrt Tunkashila Dankbarkeit und Demut – und das ist der Schlüssel zum irdischen
Glück, das Geheimnis für Gesundheit und Wohlbefinden.
Wer aber in der Schwitzhütte die Geister ruft, muss auch verstehen, was sie ihm sagen. Es
kann für den, der mit ihren Kräften und Energien spielt, sehr gefährlich werden. Besonders für
den, der die Zeremonie abhält.
Es gibt viele traditionelle Indianer, die es überhaupt nicht gerne sehen, wenn sich Europäer 
der heiligen Riten bemächtigen. Es ist nicht die Kultur der Weißen, sagen sie. Die Weißen sollen
in ihre goldprotzenden Kirchen gehen und beten, nicht in unseren Schwitzhütten.
Ich sehe das etwas differenzierter. Wenn der weiße Mann mit dem nötigen Respekt und dem
nötigen Wissen an die Sache herangeht, ist dagegen nichts einzuwenden.
Denn Spirit-Großvater ist für alle Menschen da.
Die Weißen dürfen nur die Grenze nicht überschreiten.
Workshopleiter: Mario Gruppo Calli (mit indianischer Begleitung)
Wir sind überaus glücklich, Mario Gruppo Calli, einen Vollblut-Aztekenschamanen als
Schwitzhütten-Workshopleiter zu haben. Seine langjährige Schwitzhüttenerfahrung und das
Verlangen, sein Wissen über Schwitzhütten-Rituale und Schwitzhütten-Zeremonien
weiterzugeben, welches er von seinen Lehrern erworben hat, prägen Mario`s Denkweise.

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